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Schadenminderungspflicht

Die Schadensminderungspflicht (richtiger: Schadensminderungsobliegenheit) bezeichnet im deutschen Schadenersatzrecht die Pflicht des Geschädigten, den Schaden abzuwenden oder zu mindern (bzw. nicht unbotmäßig größer werden zu lassen) oder den Schädiger (bzw. dessen Versicherung) auf die Gefahr eines ungewöhnlich hohen Schadens aufmerksam zu machen.

Auch wenn Sie als (unschuldig)  Geschädigter von dem Unfallverursacher (dem Schädiger)  dem Grunde nach Ersatz für die erlittenen Einbußen an Ihren Rechtsgütern (also Ihrem Auto oder das Schmerzensgeld) oder Ihrem Vermögen (also Ihre Auslagen und Nebenkosten) verlangen kann, trifft Sie gleichwohl die „Pflicht gegen sich selbst“ (das ist die sogenannte Obliegenheit), den Schaden und die Schadensfolgen gering zu halten.

Eine „Pflicht gegen sich selbst“ ist die Schadenminderungsobliegenheit deswegen, weil der Schädiger (bzw. dessen Versicherung) umgekehrt kein „Recht“ hat, von Ihnen die Geringhaltung des Schadens „zu verlangen“. Das heißt: Sie können sich verhalten, wie es Ihnen „in den Sinn kommt“.

Wenn Sie dabei aber offensichtlich erkennen mussten, dass ein bestimmtes Verhalten sachlich nicht richtig ist und die Sache verteuert, kann es als Verstoß gegen die Schadenminderungspflicht gewertet werden und dazu führen, dass Ihr Ersatzanspruch gekürzt wird.

Im deutschen Recht ist die Schadensminderungspflicht in § 254 Abs. 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) verankert, der für alle Ersatzforderungen – auch öffentlich-rechtliche – zumindest entsprechend gilt. Daraus ergibt sich, dass der Umfang des zu leistenden Schadenersatzes insbesondere davon abhängt, inwieweit der Schaden vorwiegend von dem einen oder dem anderen Teil verursacht worden ist, was auch dann gilt, wenn sich das Verschulden des Beschädigten darauf beschränkt, dass er unterlassen hat, den Schaden abzuwenden oder zu mindern

Und hier ein Beispiel zur Verdeutlichung:

Ein Handwerker stand auf der Leiter und lässt seinen Hammer fallen – auf Ihr Schiebedach, das danach erkennbar nicht mehr dicht ist. Also können Sie von dem Handwerker (bzw. von seiner Haftpflichtversicherung) Ersatz oder Reparatur Ihres Schiebedaches verlangen. Nach dem Ereignis reparieren Sie das Schiebedach allerdings wochenlang nicht, weil ja so schönes Wetter ist. Als ein Unwetter aufzieht, läuft das Wasser durch das undichte Dach und versaut die Lederpolster, erst jetzt bringen Sie das Auto in die Werkstatt und lassen es eiligst machen. Für den Notdienst nimmt die Werkstatt 100 € extra und die Behebung des Polsterschadens kostet 800 €.

Sie werden jetzt so behandelt,  als hätten Sie sich „vernünftig“ verhalten. Sie bekommen die volle Reparatur des Schiebedaches und die Ausfallzeit hierzu ersetzt. Den Aufschlag für den Notdienst und die versauten Polster müssen Sie selber tragen.

Hatten Sie kein Geld für die zügige Reparatur des Schiebedaches, hätten Sie gegebenenfalls einen Kredit aufnehmen müssen – die Zinsen (und sonstige Aufwendungen) dafür werden Ihnen als Teil des Schadens wiederum erstattet.

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