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Restwert

Mit Restwert bezeichnen wir den Wert eines Fahrzeugs, das bei einem Verkehrsunfall einen (schweren) Schaden erlitten hat, und

– entweder technisch nicht mehr ordentlich instandzusetzen ist (weil zuviel Teile zerstört wurden oder das Fahrzeug z.B. nicht mehr zu richten ist und auch nach der Reparatur als verkehrsunsicher gelten muss) ,

– oder wenn die Instandsetzungskosten mehr als 130% des –> Wiederbeschaffungswertes ausmachen (und es daher als wirtschaftlicher Totalschaden gilt).

Technisch bzw. wirtschaftlich gesehen ist das Fahrzeug dann Schrott, der Restwert wird in diesen Fällen als Schrottwert bezeichnet.

Jetzt kommt es darauf an, wieviel dieser Schrott einem anderen noch wert ist. Denn häufig kann man ja wesentliche Teile des Fahrzeuges noch gebrauchen oder verwerten (weshalb die Branche dezenterweise lieber modern von Fahrzeugverwertern spricht statt den früheren Begriff Schrotthändler zu bemühen).

Da es sowohl gewerbliche Fahrzeugverwerter (manche dubios, meist aber seriös) als auch private Aufkäufer (meist dubios – das sind die mit den „wir-kaufen-Ihr-Fahrzeug-Kärtchen“) gibt, schwanken die erzielbaren Restwerte je nach Interessenlage der Käufer erheblich. Die Schätzung ist daher schwierig und der Sachverständige bedient sich da regelmäßig sogenannter Restwertbörsen.

 Auch da gibt es seriöse und weniger seriöse Kandidaten. Ein seriöser Restwertbieter sollte sich mindestens etwa drei Wochen an sein Angebot halten – denn nur dann ist der Geschädigte in der Lage, das Angebot vernünftig im Rahmen seiner Ersatzvornahme anzunehmen. Er muss ja zumeist auch einen „neuen“ Gebrauchtwagen suchen, finden und bewerten – dazu sind ihm regelmäßig 14 Tage zu bewilligen. Hinzu kommt die Zeit, die das Angebot vom Sachverständigen (oder der Versicherung) ggf. über den Rechtsanwalt – bis zu ihm braucht – das kann auch schon mal eine Woche sein.

Ein beliebter „Trick“ der Versicherungen ist es, über eigene Restwertbörsen sehr viel höhere Angebote (mit einer kurzen Gebotsbindefrist) einzuholen und diesen höheren Betrag vom Wiederbeschaffungswert abzuziehen. Oft ist die Bindefrist des Bieters dann schon abgelaufen, wenn das Gebot endlich den Geschädigten erreicht. Das machen die immer dann gerne, wenn zu vermuten ist, dass der Geschädigte das alte Auto aus Geldmangel doch behalten und „irgendwie“ instandsetzen will – denn die Versicherung kann rauskriegen, ob der Wagen noch auf den Geschädigten zugelassen ist. Und solange das der Fall ist, darf sie ein höheres Gebot „nachschieben“. Deshalb sollte man einen Totalschaden zügig abmelden.

Der BGH hat geurteilt, dass man nicht auf irgendwelche Versicherungsangebote warten muss. Wenn mindestens drei seriöse Restwertgebote (über Restwertbörsen oder durch Anfrage z.B. an regionale Verwerter) von dem Sachverständigen eingeholt wurden, dann darf der Geschädigte sein Fahrzeug unmittlbar und ohne Wartefrist an den Höchstbietenden abgeben.

 

siehe auch: Urteil des OLG München zum Restwert bei fiktiver Abrechnung (also Weiternutzung des Fahrzeuges)

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