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E10 * die unmögliche Geschichte (Kommentar)

Ein Kommentar von Dipl. Ing., Dipl.-Wirt. Ing Jens-U.H. Schweitzer (alle akademischen Graduierungen ohne Abschreiben erworben)

Über sture und uneinsichtige Politiker, Begebenheiten aus dem deutschen Vorsitz der EU, willfährige Bedienung von Großkonzernen und der regierungsamtlich verordneten Abzocke aller Autofahrer….

– Stand Ende Februar 2011 –

Es ist schon ein unsägliches Beispiel von Dilettantismus, Unfähigkeit, Sturheit und bewusster Fehlinformation unserer Politiker. Fast wäre es belustigend, zu sehen, wie diese nun wie aufgeregte Hühner im Hühnerstall umher rennen, bloß weil die Bürger lustigerweise nicht das mitmachen wollen, was ihnen die Regierung diktiert. Aber es ist einfach nur traurig.

Blicken wir einmal dahinter und etwas zurück: In der Tat wird „nur“ eine EU-Richtlinie umgesetzt. Aber wer hat diese denn maßgeblich „verzapft“?     Genau: Die deutsche Bundesregierung. Während Frau Merkel den Ratsvorsitz der EU hatte, ist dieses Thema auf die Tagesordnung gekommen. Und es war die deutsche Seite, die es zugunsten ihrer deutschen Automobilkonzerne verhindert hat, dass eine von allen anderen Ländern favorisierte CO2-Begrenzung des Durchschnitts aller Motoren eine Automarke womöglich die großvolumigen Motoren der Nobelkarossen behindert. Da war es schon das kleinere Übel, an die Tankstellen E10-Benzin zu verordnen – denn dafür müssen nicht die Konzerne, sondern die Autofahrer bezahlen.

Immerhin muss man wissen, dass das Thema Biokraftstoffe vor mehreren Jahren bereits vom damaligen Umweltminister Sigmar Gabriel angegangen wurde. Und immerhin muss man ihm zugute halten, dass er damals einsichtig genug war, die Fragwürdigkeit der CO2-Bilanz zu erkennen. Machen wir uns doch nichts vor: Es sprechen genügend Fakten gegen die derzeitige E10-Diktatur:

– Durch die Beimischung erhöht sich der Ölverbrauch bzw. der Kraftstoffverbrauch. Es wird also für die gleiche Fahrstrecke mehr Erdöl benötigt.

– Das beigemischte Ethanol stammt zwar aus Pflanzen, der Grundstoff ist also insoweit CO2-neutral. Aber es wird zusätzlich geerntet (mit Kraftstoff), es wird weit transportiert (mit Kraftstoff) und es wird unter Einsatz von erheblicher Energiezufuhr umgewandelt. Deshalb ist national hergestelltes Ethanol auch teuer.

– Durch die Umwandlung von Agrarflächen (von der Nahrungsmittelproduktion zur Ethanolproduktion) werden bisher lokal erzeugte und vertriebene Lebensmittel jetzt von weiter entfernten Kulturen herangekarrt (zusätzlicher Treibstoff).

– Da der Preis für Ethanol bzw. für die Grundstoff-Pflanzen in Europa vergleichsweise hoch ist – weshalb das Ethanol ja in der Produktion teurer ist als Erdöl – werden  „findige“ Unternehmer oder Regierungen in billigen Drittstaaten (und das ist zumeist die Dritte Welt) bald darauf kommen, dass sich mit dem Ethanolexport nach Europa viel Geld verdienen lässt – mit der Folge, dass in diesen Ländern riesige Monokulturen entstehen, wichtige und notwendige Anbauflächen der Nahrungsmittelproduktion entzogen werden und die dortige Bevölkerung darunter leiden wird. (Das finden die Nahrungsmittelkonzerne möglicherweise gut, denn dann können sie ihre Industrienahrung besser dorthin verkaufen und werden wohl von dem UN-Welternährungsprogramm bezahlt).

Nimmt man alle Fakten zusammen, ist die zwangsweise Ethanol-Beimischung (also das E10) Blödsinn hoch drei, denn statt das Klima nachhaltig, langfristig und weitsichtig zu entlasten, führt eine falsch und unvollständig künstlich hochgerechnete „sogenannte“ CO2-Bilanz zur Augenwischerei: Sie ist teuer, schadet allen Verbrauchern und entlastet das Klima langfristig keinesfalls. Aber die Konzerne werden gut dran verdienen – denn selbst wenn es „Strafzahlungen“ wegen zu geringer E10-Quote geben sollte, werden diese (so sicher wie das Amen in der Kirche) voll an den Endverbraucher weitergegeben werden.

Deshalb, Frau Merkel, Herr Röttgen und wer immer da was zu sagen hat:  Kippen Sie diese unsägliche Verordnung. Handeln Sie vernünftig und entsprechend Ihrem Amtseid: Schaden von Deutschland abwenden – und das sind nicht die Großkonzerne, sondern wir, das Volk.

Das sollte doch mal gesagt werden.

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