JSP Gruppe

266 C 32/15 Köln – Ohrfeige für die HUK-Versicherung – Honorartableau ist unerheblich

-> Hier geht’s zum Urteil im Volltext und zu unserer Abrechnung.

 

Amtsgericht Köln 28.05.2015 / 266 C 32/15 (Richterin Bogner)  RAin Sabine Rösner ./. HUK-Coburg

 

 

Kurztext:   Das von der HUK-Coburg favorisierte Honorartableau 2012 ist unerheblich.

Zudem sind Nebenkosten ausdrücklich nicht damit abgegolten !!

 

Die Beklagte (HUK-Coburg) wird verurteilt, an den Kläger  266,66 € nebst 5% Zinsen seit dem 30.12.2014 zu zahlen.

 

Aus dem Urteil:

Die Ersatzpflicht der Beklagten ist dem Grunde nach unstreitig. Die Parteien streiten lediglich darüber, ob die Höhe der geltend gemachten Sachverständigenkosten erforderlich war.

 

Der Geschädigte genügt seiner Darlegungslast zur Schadenshöhe regelmäßig durch Vorlage einer Rechnung des von ihm zur Schadensbeseitigung in Anspruch genommenen Sachverständigen. Die tatsächliche Rechnungshöhe bildet bei der Schadensschätzung nach § 287 ZPO ein wesentliches Indiz für die Bestimmung des zur Herstellung erforderlichen Betrages im Sinne von § 249 Abs.2 S.1 BGB, schlagen sich in ihm doch die besonderen Umstände des jeweiligen Einzelfalls einschließlich der vor dem Hintergrund der subjektbezogenen Schadensbetrachtung relevanten beschränkten Erkenntnismöglichkeiten des Geschädigten regelmäßig nieder. … …   Daher kann die Beklagte nicht mit dem Einwand durchdringen, dass die VIN-Abfrage sowie die Restwerteinholung und die Marktwertanalyse Leistungen des Sachverständigen darstellen, die zur Grundpauschale gehören. … Im Übrigen entspricht die Abrechnung der üblichen Vergütung. Die übliche Vergütung ist aber … durchaus anhand der BVSK-Tabelle zu schätzen. Diese bietet insoweit eine hinreichende Schätzungsgrundlage im Sinne von § 287 ZPO. Dass die Beklagte das Honorartableau 2012 der HUK Coburg als Schätzgrundlage zugrundelegen möchte, ist unerheblich.  Das Gericht erachtet die BVSK-Tabelle als belastbare Schätzgrundlage.      ….      Die von den Klägern in Ansatz gebrachten Kosten bewegen sich stets im Korridor HB V der BVSK-Befragung <50-60% aller Befragten>, so dass die Einwendungen der Beklagten ins Leere laufen…. Entgegen der Auffassung der Beklagten sind die von den Klägern abgerechneten Nebenkosten nicht bereits im Grundhonorar enthalten. … Die in Ansatz gebrachten <Neben>kosten bewegen sich allesamt im Korridor HB  V, so dass sie auch der Höhe nach gerechtfertigt sind. Soweit die Beklagte bestreitet, dass die in Rechnung gestellten Leistungen überhaupt erbracht worden bzw. die erbrachten Leistungen erforderlich gewesen sein sollen, dringt sie hiermit nicht durch. Es handelt sich nämlich um ein unzulässiges Bestreiten ins Blaue hinein.

 

Mein Kommentar:

Dieses Urteil ist eine schallende Ohrfeige für die HUK Coburg. Diese Versicherung hat uns seinerzeit überhaupt erst dazu gebracht, üblicherweise nicht nach der Schadenshöhe, sondern nach der für die Gesamterstellung des Gutachtens erforderlichen Zeit abzurechnen, zuzüglich den vom JVEG-Gesetz zugelassenen Nebenkosten. Dass dadurch die Rechnungen für die „dicken“ Unfälle geringer wurden, glich sich mit dem Umstand aus, dass die Rechnungen für die „kleineren“ Schäden höher ausfielen. Das gefiel der HUK Coburg dann auch nicht, denn naturgemäß gab es mehr kleine Schäden als „dicke Brocken“. Und dann brachte sie das Honorartableau der BVSK ins Rollen- und es gab das berühmte „Gesprächsergebnis HUK-BVSK“. Das hatte für mich zwar überhaupt keine Bedeutung, denn ich gehöre weder zur einen noch zur anderen Partei. Erstaunlich war, dass plötzlich alle Nebenkosten im Grundhonorar enthalten sein sollten und dass die HUK geflissentlich übersah, dass es in 2013 eine neue Honorar-Befragung gab – die sie aber einfach nicht zur Kenntnis nahm, sondern immer noch die „alte“ Tabelle verwendete und die Geschädigten damit verunsicherte und – man kann es ruhig sagen – nötigte. Denn sie drohte ein erhebliches Übel an, wenn man Ihre (inzwischen unsinnige) Auffassung nicht teilte.

 

Dieses Spiel wollte ich nicht mehr mitspielen und so haben wir – speziell für die HUK-Coburg – neue Rechnungen entworfen und dabei die neuere Honorarbefragung und alle Nebenkosten ausgewiesen. Dass dadurch im Endeffekt die Abrechnung möglicherweise höher wurde als nach Zeitaufwand, hat sich die HUK nun selbst zuzuschreiben. Dank an die Richterin, die in dem sehr rationalen Urteil die HUK in die Schranken verwiesen hat. Ich freue mich schon auf die weiteren Prozesse…..

© 2013 JSP-Gruppe //Impressum