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264 C456/02 Köln – Versicherung muss Sachverständigen voll bezahlen

Kurztext:   Sachverständigenkosten sind grundsätzlich zu erstatten.

Der Geschädigte muss keine „Marktforschung“ betreiben und Preisvergleich anstellen.

Amtsgericht Köln    14.02.2003    /   264 C456/02 (Richter Plötzing)

Bernd Sch. (RA Dr. Höll) gegen HUK-Coburg

Die Beklagte (HUK-Coburg) wird verurteilt, an den Kläger  xxxx € nebst 5% Zinsen seit dem 8.7.2002 zu zahlen.

 

Die Klage ist begründet.

Der Kläger kann von der Beklagten die geltend gemachten restlichen Sachverständigenkosten in Höhe von 131,75 € verlangen.

Sachverständigenkosten gehören zum Aufwand, den ein Geschädigter gemäß § 249 S. 2 BGB vom Schädiger bzw. von dessen Haftpflichtversicherung verlangen kann. Der Höhe nach beschränkt sich dieser Anspruch auf den erforderlichen Geldbetrag, d.h. auf die Aufwendungen, die verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch in der Lage des Geschädigten für zweckmäßig und notwendig halten durfte.

Die von der Beklagten vorgebrachten Einwendungen können vorliegend dem Kläger nicht erfolgversprechend entgegengehalten werden.

Der Sachverständige ist nicht Erfüllungsgehilfe des Geschädigten. Wie sich schon aus dem Vortrag der Parteien ergibt, gibt es keine einheitlichen Abrechnungsmodalitäten für Sachverständigenkosten.

Dem Geschädigten selbst sind nach Ansicht des Gerichtes Erkundigungen oder Preisvergleiche vor Beauftragung des Sachverständigen ebenso wenig zuzumuten, wie die nachträgliche Prüfung, ob die Sachverständigenrechnungen nach Zeitaufwand hätte erstellt werden müssen, ob sie an der Schadenshöhe anzuknüpfen hat oder ob sie nach sonstigen Gesichtspunkten zu erstellen ist.

Entscheidend ist, dass keinerlei Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass der Kläger irgendwelche Unbilligkeiten –wenn sie nun vorliegen würden– zu vertreten hätte, dass er also selbst gegen die ihm obliegende Schadensminderungspflicht verstoßen hätte.

Das Gericht hält an seiner bisherigen Rechtsprechung fest, wonach die momentanen Streitigkeiten um die Sachverständigenkosten nicht auf dem Rücken des Geschädigten ausgetragen werden dürfen.

Die Sachverständigenkosten sind dem Kläger in Rechnung gestellt worden. Er hat diese ausweislich des vorgelegten Kontoauszuges in Fotokopie auch gezahlt. Entsprechend hat die Beklagte zu dem Kläger die gezahlten Sachverständigenkosten in voller Höhe zu ersetzen.

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