JSP Gruppe

Der Verursacher ist abgehauen und ich möchte Vollkasko abrechnen

Ihr Fahrzeug ist also beschädigt und entweder konnten Sie den Verursacher nicht anhalten oder Sie waren gar nicht dabei, als es passierte. Das nennt man schlicht „Unfallflucht“ und da kennt die Staatsanwaltschaft (und die Polizei) wenig Gnade – denn das ist einfach fies. Jedenfalls sollten Sie das Geschehen der Polizei melden, denn manchmal findet sie doch noch jemanden. Oder es gibt Zeugen, die sich später melden.

Sie haben aber für Ihr Fahrzeug eine Vollkasko-Versicherung? Herzlichen Glückwunsch, denn dann bleiben Sie nicht auf Ihrem Schaden sitzen. Nur den „Selbstbehalt“ müssen Sie dann noch zusteuern.

Nun kommt es darauf an, daß jemand feststellt, wieviel Sie für die Reparatur an Ihrem Fahrzeug bekommen (siehe auch weiter unten: Neue Rechtslage). Es ist gut, daß Sie Vertrauen in unsere Leistung als unabhängiger und objektiver Sachverständiger haben, aber anders als beim „Haftpflichtschadenfall“ (wenn also ein „anderer“ für den Schaden gerade stehen muß), gibt es beim Kaskofall ein paar besondere Regeln.

Beim Haftpflichtschaden gilt grundsätzlich der Schadenersatzparagraf 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB): „Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.“ Dafür hat jeder Autofahrer in Deutschland eine Versicherung abzuschließen – eben die Haftpflichtversicherung – und die muß dann bezahlen.

Anders im Kaskofall: Hier wollen Sie von der „eigenen“ Versicherung etwas haben, mit der Sie zuvor irgendwann einen Vertrag abgeschlossen haben. Es geht also zunächst nicht nach dem Schadenersatzparagrafen des BGB (Bürgerliches Gesetzbuch), sondern zivilrechtlich gilt das Vertragsrecht. Und für alle in Deutschland abgeschlossenen KFZ-Versicherungsverträge gelten die gleichen AKB (Allgemeine Bedingungen für KFZ-Versicherungen).

So besteht beim Kaskoschaden (Vollkaskoversicherung) z.B. nicht die freie Wahl des Gutachters wie beim Haftpflichtschaden. Sie sollten also baldmöglichst mit Ihrer Versicherung Kontakt aufnehmen. Gegebenenfalls akzeptiert die Versicherung Ihren Vorschlag, uns als Gutachter zu beauftragen – sagen Sie ruhig, dass nach Kaskogesichtspunkten abgerechnet wird. (Dann schreiben Sie sich unbedingt den Namen des Sachbearbeiters auf). Wenn Ihre Versicherung darauf besteht, einen „eigenen“ Sachverständigen zu senden, müssen Sie auch im Kaskorecht nicht ohne weiteres den Sachverständigen zu akzeptieren, den die Versicherung benennt. Denn klar ist, dass die Kasko-Versicherung einen Sachverständigen benennt, der nach Weisung der Versicherung arbeitet, um den Schaden nicht zu hoch werden zu lassen. Dieser Gutachter muss aber nicht unbedingt gleichzeitig auch das Vertrauen des (Vollkasko-) Geschädigten haben.

Sie müssen ihn aber erst mal an das Fahrzeug „ranlassen“. Wenn er dann Ihrer Ansicht nach fehlerhaft arbeitet oder seine Kalkulation nicht plausibel und nachvollziehbar begründen kann oder will, sollten Sie mit „seinem“ Gutachten zu uns kommen. Entweder wir können die Fehler klar darlegen und ggf. über den Anwalt eine Korrektur erwirken. Es kann natürlich auch sein, daß die Kasko-Versicherung sich stur stellt.

Für diesen Fall ist dann das sogenannte „Sachverständigenverfahren“ vorgesehen: Die von beiden Seiten benannten Gutachter müssen sich zusammentun. Ihre einzige Aufgabe ist es dann, sich auf einen dritten Sachverständigen zu einigen, der dann quasi als „Ober – Sachverständiger“ die Begutachtung vornimmt.

ACHTUNG! Neue Rechtslage: Oftmals war es bisher so, dass die Kaskoversicherung dem Geschädigten eine ihr genehme, billige Werkstatt aufgedrückt hat – mit dem Hinweis, dass sie nur die „erforderlichen Kosten zur Wiederherstellung“ übernehmen will, und sich auf die AKB berufen hat. Dann kam es vor, dass der Besitzer eines neuen oder scheckheftgepflegten Mercedes in eine Vertragsklitsche der Versicherung geschickt wurde, bzw. nicht den Betrag erhielt, der in einer (teureren) Markenwerkstatt anfallen würde. Damit ist nun endgültig Schluss: Der BGH hat entschieden, dass auch im Kaskofall und selbst bei fiktiver Abrechnung auf Gutachterbasis die Preise einer Markenwerkstatt anzusetzen sind – sofern das Fahrzeug neueren Datums oder (nachweislich) durch eine Markenwerkstatt scheckheftgepflegt ist.

>>>> HIER geht’s zum entsprechenden Urteil.

Alles nähere erfahren Sie von uns oder von Ihrem Rechtsanwalt.

Sollte der Schädiger doch noch gefunden werden, können Sie später auch noch immer dessen Haftpflichtversicherung in Anspruch nehmen und werden bei Ihrer Kaskoversicherung dann wieder schadenfrei gestellt – und das auch noch Jahre später.



© 2013 JSP-Gruppe //Impressum