JSP Gruppe

Waschanlage – Auto beschädigt – Wer zahlt?

Leider immer wieder aktuell: Wer zahlt für Schäden durch eine Waschanlage?

Wer saß nicht schon mal in seinem Fahrzeug, während es durch die Waschanlage transportiert wurde? Abgesehen davon, dass es auch lustig sein kann, wenn links und rechts die Bürsten vorbeirollen, beschleicht uns zumeist doch ein etwas mulmiges Gefühl, wenn da z.B. das Trocknungsgebläse fast „hautnah“ auf uns zukommt. Bei Auto-Waschanlagen und besonders bei Schlepp-Anlagen kommen immer wieder Autos zu Schaden. Doch wer zahlt eigentlich für Schäden am Auto durch Waschanlagen?

Hafted der Anlagen-Betreiber in jedem Fall?

Die Rechtsprechung macht da eine Differenzierung, und fragt sich (bzw. nach), wer schuld sein könnte bzw. wem eine Vermeidbarkeit eines dann eingetretenen Schadens möglich gewesen wäre..

 

– Da ist zunächst die stationäre Waschanlage – also: Auto rein, Fahrer raus und dann bewegt sich das Waschgerät über das stehende Fahrzeug hinweg. Dann drückt entweder der Betreiber den Startknopf (Variante A) – etwa nachdem er noch die Felgen vorgespritzt hat usw., oder  (Variante B) der Kunde selbst sorgt für den Start, etwa durch Münzeinwurf oder Einstecken einer Karte. Zunächst liegt die Gefahr und Haftung bei der stationären Anlage beim Betreiber: Wenn etwas in den Waschbürsten hängt und den Lack schädigt, oder ein Maschinenteil falsch programmiert ist etc. Wenn vergessen wird, etwa die Antenne reinzufahren oder der Heckwischer nicht gesichert wird, geht es auch auf den Anlagenbetreiber – der er hätte bei „A“ selber darauf achten müssen, oder im Falle „B“ den Autobesitzer deutlich und unübersehbar durch Warntafeln darauf hinweisen müssen (und im Zweifel z.B. die Schutzhülle für den Heckwischer zur freien Nutzung anbieten). Hier ist also die Beweislast eindeutig beim Anlagenbetreiber.

– Schwieriger wird es bei „Durchfahranlagen“, wenn der Fahrzeugführer im Wagen sitzen bleibt. Dann darf er keinen Fehler machen (etwa auf die Bremse treten oder zwischendurch die Antenne oder den Scheiberwischer betätigen). Oft trifft ihn dann die Beweislast, dass er nicht falsch gehandelt hat. Allerdings muss der Anlagenbetreiber den Nutzer auch deutlich und unübersehbar auf mögliche Risiken hinweisen und ist z.B. auch für vergessene Antennen oder lose Dachspoiler  verantwortlich, wenn er – wie oft zu beobachten – im Einfahrtbereich einen Mitarbeiter stehen hat, der sogenannte Einweicharbeiten vornimmt – also z.B. mit Hochdruck die Felgen vorreinigt und dabei um das Fahrzeug herumgeht. Die entsprechenden Warntafeln müssen auch den Fall berücksichtigen, dass Unkundige die Waschanlage durchfahren wollen – also sollten Sie im Zweifel „idiotensicher“ sein.

Eine Fehlerursache ist häufig das zu frühe Anfahren beim Herausfahren, wenn die grüne Ampel die Fahrt zu früh freigibt. An dieser Stelle kann es auch kritisch werden, wenn hinter einem Automatikfahrzeug das nächste Fahrzeug zu dicht hineingeschickt bzw. hineingewunken wird.   Denn mancher denkt nicht daran, dass man beim Automatikwagen regelmäßig (kurz) auf die Bremse treten muss, um den Wagen wieder anzulassen – wenn der Wagen dann durch das Bremsen aus der Schleppkette (rückwärts) springt, sollte der nächste Wagen genügend Abstand haben.

Übrigends noch ein Hinweis an Vollkaskoversicherte: Will ein Fahrzeugbesitzer seine Kaskoversicherung in Anspruch nehmen, muss dieser natürlich der Schaden zügig gemeldet werden. Darüber hinaus ist es oft erforderlich, auch mindestens die bisherige Korrespondenz mit dem Anlagenbetreiber beizufügen. Auf jeden Fall sollte man Fotos von den Schäden und dem Standort des Fahrzeugs machen. Hilfreich ist auch die Hinzuziehung eines Zeugen.

 

Hier können Sie dazu einige Urteile lesen – vielleicht ist Ihr Fall ja dabei:

 

Landgericht Ansbach,

Urteil vom 07.07.2015  

– 1 S 936/14 –

.       .

Wasch­anlagen­betreiber muss warnen:

Schadensersatz für beschädigtes Fahrzeug

Vorsicht bei Automatikfahrzeugen

 Landgericht Wuppertal,

Urteil vom 23.10.2014

– 9 S 129/14 –

 

 Ohne automatisch Notausschaltung:

Pflicht zur dauernden Überwachung

 Landgericht Hannover,

Urteil vom 27.03.2015

– 10 S 17/12 –

 Waschanlagenbesitzer sollte Schutzhülle

für (Heck-)Scheibenwischer parat haben

 

 

 

© 2013 JSP-Gruppe //Impressum