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Unfallflucht – Ja oder Nein?

Wegfahren nach einer Fremdberührung ist nicht immer Unfallflucht

Entscheidend ist die Wahrnehmbarkeit – muß der Fahrer das gemerkt haben….

(siehe auch —> Warum brauche ich einen Rechtsanwalt ?)

(siehe auch —–> unerlaubtes Entfernen vom Unfallort – Punkte in Flensburg)

Wenn Sie beim Ausparken oder beim Vorbeifahren (z.B. in einer sehr engen Straße) bemerken, dass Sie einen anderen Wagen berührt haben, reicht es nicht aus, einen Zettel mit Unfallhergang und/oder Ihrer Adresse zu hinterlassen. Denn wer wegfährt, ohne auf den Fahrer des beschädigten Fahrzeugs zu warten oder die Polizei zu rufen, begeht Fahrerflucht und damit eine Straftat mit erheblichen Folgen. Da ist die Staatsanwaltschaft – zu Recht – auch nicht zimperlich und ermittelt in jedem Fall die genaueren Umstände. Das muss sie einerseits, denn Fahrerflucht gilt als „Offizialdelikt“ (wie Mord oder Körperverletzung), aber andererseits wird Fahrerflucht auch gesellschaftlich als „besonders gemein“ eingestuft.

Neben einer Geldstrafe und Punkten in Flensburg kann unerlaubtes Entfernen vom Unfallort – wie es im Gesetz heißt – auch den Führerschein kosten.

Allerdings: Unfallflucht setzt Verschulden voraus, d.h.: Sie müssen es bemerkt haben und sind schuldhaft (und hoffentlich mit schlechtem Gewissen) abgehauen.

Wenn Sie es aber gar nicht gemerkt haben, dann kommen Sie meist glimpflich aus der Sache raus – und den Schaden zahlt Ihre Versicherung.

— Und genau hier kommen wir wieder ins Spiel: Denn es bedarf schon einer guten (sachverständigen) Argumentation, warum Sie die Berührung nicht wahrgenommen haben (könnten). Z.B. weil dort Schlaglöcher sind, oder das Kopfsteinpflaster so holprig, oder Sie waren beim Rangieren, oder die Kinder tobten im Auto, oder Sie fuhren vom Bürgersteig runter (oder rauf), oder – oder – oder … .

Es kann viele Möglichkeiten geben – und da braucht der Rechtsanwalt eben einen guten Sachverständigen.

Beispiel: Wir hatten mal den Fall einer „Unfallflucht“ eines LKW-Fahrers, nachdem er -rückwärts fahrend- einen fremden PKW kräftig zusammengeschoben hatte. Allerdings war die LKW-Kabine getrennt federnd aufgehängt. Darauf machten wir einen Versuch und stellten einen alten Mercedes auf einen Parkplatz und der Richter selber fuhr den LKW langsam rückwärts (bei abgedeckten Rückspiegeln). Obwohl er wußte, dass er gegen den Mercedes fahren würde, schob er diesen ca. 5 Meter weit, bevor er merkte, „dass da was war“. Der Beschuldigte wurde vom Vorwurf der Unfallflucht freigesprochen – und er behielt seinen Führerschein.

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