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Bewertung nach Zeitwert

wenn z.B. das Fahrzeug verkauft oder bei einem Neukauf in Zahlung gegeben werden soll.

Das ist etwa der Betrag, den man auf dem allgemeinen oder regionalen Markt für ein bestimmtes Fahrzeug in einem bestimmten Zustand und unter Berücksichtigung der jeweiligen Ausstattungsmerkmale erzielen würde. Als Grundlage gilt dabei die sogenannte Schwacke-Liste oder DAT-Liste; das sind „Notierungen“ der Händler, die diese jeweils an die entsprechenden Zentralen mitteilen und somit reflektieren diese Wertangaben auch zeitliche Besonderheiten des Marktes, wie sie etwa nach der Wiedervereinigung oder während und nach der Abwrackprämie entstanden sind, als plötzlich bestimmte Gebrauchtfahrzeuge verstärkt nachgefragt wurden.

Diese Schwacke- oder DAT-Liste differenziert zwar nach enorm vielen Fahrzeugtypen, Untergruppen, Baujahren und Motorisierung, gibt aber immer nur Durchschnittswerte, d.h. für zur Mitte des Jahres zugelassene Fahrzeuge mit durchschnittlicher Laufleistung,  mit noch 12 Monaten bis zur nächsten HU (Hauptuntersuchung), mit mittlerem Reifenprofil, in durchschnittlich (gutem) Zustand (z.T. entsprechend der Laufleistung), mit der seinerzeitigen Serienausstattung usw. usw.

Es ist fast selbstverständlich, dass kaum ein Fahrzeug diesem Durchschnitt entspricht. Es ist also die besondere Aufgabe des Sachverständigen, die jeweiligen Abweichungen des jeweils begutachteten Fahrzeuges gegenüber dem „Durchschnitt“ festzustellen und entsprechend in die Bewertung einfliessen zu lassen.

KM-Leistung. Hier erfolgt regelmäßig eine Werterhöhung oder -minderung gegenüber der „durchschnittlichen“ Fahrleistung eines Fahrzeuges in dieser Klasse. Dabei werden für verschiedenste Fahrzeugtypen einheitlich bestimmte „Normal-Fahrleistungen pro Jahr“ angenommen, die dann mit dem Fahrzeugalter multipliziert werden. Dabei gilt allgemein, dass für geringere Fahrzeugkategorien und geringe Leistung (z.B. Kleinwgen) auch geringe Annahmen der Jahresfahrleistung üblich sind, während bei größerem Hubraum und insbesondere höherer Kategorie (z.B. typische Handelsvertreterfahrzeuge oder große Familienkarossen) zumeist eine höhere Fahrleistung als „normal“ angesehen wird. Aber auch das ist nicht durchgängig, denn bestimmte Fahrzeugtypen fallen wiederum anders aus (z.B. „Nobelkarossen“ oder in Europa seltene Fahrzeuge). Und die Abweichungen des begutachteten Fahrzeuges von dieser angenommenen Durschnittslaufleistung sind gelegentlich erheblich (z.B. sogenannte „Oma-Fahrzeuge“ oder Taxen). Die richtige und sachgerechte Interpolation (Abschätzung nach bestimmten Funktionen) dieses Wertes obliegt dem Sachverständigen.

Datum der genauen Zulassung. Die „Liste“ betrachtet Fahrzeuge mit Zulassungsdatum Mitte des jeweiligen Jahres (01.06.). Nun ist das naturgemäß bei fast allen Fahrzeugen anders, also muß der Sachverständige über die Eingabe des genauen Zulassungsdatums (jünger oder älter als der „Durchschnitt“) eine Wertkorrektur des Basiswertes vornehmen.

Sonderausstattungen. Je nach Hersteller sind manche Fahrzeuge in der sogenannten „Basisversion“ ziemlich abgespeckt und die Hersteller bieten eine lange Liste von Standardzubehören, die den Grundwert des Fahrzeuges gelegentlich sogar verdoppeln können. Diese Ausstattungsmerkmale können fahrzeugbestimmend sein (z.B. Automatik- oder Schaltgetriebe, Schiebedachvarianten oder Anzahl der Türen), oder sie sind ganz einfach „nur“ Beiwerk (wie herstellerseitig angebotene abgedunkelte Heckleuchten, elektrische Fensterheber, Durchladeeinrichtungen oder gar eine Klimaanlage). Insoweit ist zumeist auch die Sonderausstattung unterschiedlich zu bewerten:  Während die fahrzeugbestimmenden Merkmale erheblich in die Bewertung des Zeitwertes einfliessen, gehen andere Ausstattungen mit erheblich geringeren Werten in die Preisfindung des Zeitwertes (=Verkaufswert). Denn ein potentieller Käufer legt nicht immer gleich viel Wert auf „Schnickschnack“ wie der vorige Besitzer. Es ist ihm entweder gleichgültig oder kann sogar als „gefühlte“ Negativausstattung empfunden werden, z.B. bodentiefe Spoiler, eine Tieferlegung mit harten Reifen oder teure Ersatzteile wegen besonderer Ausstattung.

Zubehör. Auch hier gilt: Nicht alles, was dem ursprünglichen Besitzer lieb (und vor allem teuer) war, findet den Zuspruch des möglichen Käufers. Deshalb muss der Sachverständige abwägen, inwieweit bestimmte herstellerfremde Zubehörteile und in welchem Maß in die Bewertung einfliessen können. Denn schliesslich soll die Bewertung möglichst zu einem realisierbaren Verkaufspreis führen.

Sie sehen, so einfach eben mal „in die Liste schauen“ bringt nicht viel. Dazu gibt es Sachverständige. Ein guter Sachverständiger kann Ihnen auch erklären, warum  nicht in jedem Fall Ihre Wertvorstellungen von  Ihrem „Schätzchen“ am Markt umsetzbar sein werden. Er wird aber auch die richtigen Wertkriterien entsprechend der tatsächlichen Fahrzeugparameter gegebenenfalls werterhöhend berücksichtigen und in seiner Bewertung entsprechend begründen.



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