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Trockensumpf-Schmierung

Diese eigenartige Bezeichnung im Zusammenhang mit der Schmierung des Motors weist darauf hin, dass es bei dieser Technologie keinen Ölvorrat (Sumpf) in einer Ölwanne unterhalb des Kurbeltriebs gibt. Der Schmierstoff befindet sich vielmehr in einem Tank neben dem  Motor.

Schema: Trockensumpf-Schmierung

Anwendung: Viertaktmotor; Ähnlich wie bei der Frischölschmierung wird hier das Schmiermittel in einem separaten Behälter E mitgeführt und durch eine Druckpumpe A (erste Ölpumpe) an die Schmierstellen B befördert. Das abtropfende Schmieröl wird im Gegensatz zur Druckumlaufschmierung mittels einer zweiten Rückförderpumpe C (Saugpumpe) aus dem Ölsumpf D abgesaugt und zurück in den Ölbehälter E gefördert. Die Rückförderpumpe hat dabei grundsätzlich eine höhere Förderleistung als die Druckpumpe, um bei jeder Fahrsituation das Schmieröl zuverlässig aus dem Kurbelgehäuse in das Ölreservoir zu pumpen.

Bei den Porsche-Modellen Boxster, Cayman, Panamera V6 und 911 (Typen 996 sowie 997 außer GT2, GT3 und Turbo) wird eine „integrierte“ Trockensumpfschmierung verwendet: Als Ölreservoir dient die Ölwanne des Motors; auf den gesonderten Öltank wird verzichtet. Bei den neuen Motoren der Typen 911, Boxster und Cayman ab Modelljahr 2009 sind zur Sicherstellung eines ausreichenden Ölvorrats in der Ölwanne sogar vier Rückförderpumpen eingebaut.

Die Vorteile der aufwändigeren Trockensumpfschmierung sind:

  • Es können größere Ölmengen eingesetzt werden, ohne dass der Motor durch eine vergrößerte Ölwanne nach unten erweitert werden muss. Die üblicherweise unterhalb der Kurbelwelle angeordnete Ölwanne kann sogar deutlich verkleinert werden oder ganz entfallen, was die Bauhöhe des Motors reduziert.
  • Weil keine ausladende Ölwanne vorhanden ist und durch die dadurch umsetzbare geringere Motorhöhe kann der Motor tiefer eingebaut werden, was einen günstigeren Fahrzeug-Schwerpunkt und somit bessere Kurvenstabilität ermöglicht. Zudem verringert sich bei einem Frontmotor durch die flachere Haube der Luftwiderstand und damit der Verbrauch.
  • Durch die größere mögliche Ölmenge können die Kühlleistung verbessert und die Wechselintervalle verlängert werden.
  • Der Schmierölvorrat muss nicht am bzw. im Motor untergebracht werden, sondern der Öltank kann an beliebiger Stelle im Fahrzeug angeordnet werden. Dies ist vorteilhaft bei sehr engen Motorräumen bzw. um die Gewichtsverteilung zu optimieren.
  • Es ist immer Öldruck vorhanden, auch bei extremen Leistungsbedingungen, z.B. in Schräglage (Geländefahrzeuge, Flugzeuge) und bei hoher Zentrifugalkraft (Kurvenfahrten im Renneinsatz) ist durch den großen Vorrat im Ölbehälter ein konstanter Öldruck und damit die Motorschmierung gesichert.

Der Nachteil der Trockensumpfschmierung ist, dass sie durch die zweite Ölpumpe und den separaten Behälter konstruktiv aufwändiger ist als die Druckumlaufschmierung. Daher wird sie meist nur in flachen Sportwagen, Motorrädern oder Geländefahrzeugen verwendet. Fahrzeuge mit Trockensumpfschmierung sind z. B. alle Porsche 911, der Mercedes 450 SEL 6,9, der Alfa Romeo Montreal, der BMW M1, der Audi R8 (Spyder), der Mercedes-Benz SLS AMG, der Maserati Ghibli, die aktuelle Corvette#C6 Z06 und Corvette#C6 ZR1, sowie die Motorräder von Harley-Davidson, Buell, die neuen Motorräder (2004 >) der K-Reihe und die F-Reihe von BMW und die Enduro und Reisenenduro-Motorräder von Yamaha (XT 660 R/Z/X und XT 1200 Z).

Durch die zwei Ölpumpen wird das Schmiersystem komplexer und um eine zusätzliche Störmöglichkeit erweitert, es entsteht jedoch keine Redundanz. Durch den Ausfall einer (egal welcher) Ölpumpe bricht der Schmierölkreislauf zusammen.

Der Ölstand muss im Gegensatz zur Druckumlaufschmierung meist bei im Leerlauf laufendem Motor am Peilstab des Ölbehälters abgelesen werden. Bei der Corvette C6 (Z06 und ZR1) muss erst das Öl auf eine Temperatur von rd. 80 °C warmgefahren werden. Dann wird der Motor abgestellt und nach etwa 5-20 Minuten kann der Ölstand gemessen werden. Die Porsche-Modelle Boxster (nur Modell 987 ab 2004) und Cayman haben keinen herkömmlichen Peilstab mehr, sondern nur noch eine elektronische Ölstandsanzeige.

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